Deutsche Meisterschaft in Greven
Sonntag, den 16. Oktober 2005 um 17:29 Uhr

Die Zuschauer fieberten den letzten Einzelentscheidungen des Tages entgegen. Seit dem Vormittag hatte eine stetig wachsende Zuschauermenge die Nachwuchswettkämpfe und die Vorrunden der Deutschen Meisterschaft erlebt.
Nachdem knappe Entscheidungen im Katawettbewerb die Vorrunden des Kumiteturniers eingeläutet hatten, stieg die Stimmung langsam aber sicher an ihren Siedepunkt.

Die Favoriten im Damen-Kata-Finale waren Dana Raczynski (Dojo Ouchi Dresden), Karin Bonsack (Dojo Edo Berlin) und Nicole Genz (Dojo Edo Berlin). Alle drei Favoritinnen gaben ihr Bestes und selbst die 19 Jährige Dana Raczynski konnte sich erneut von Start zu Start steigern und bewies dabei Nerven, so dass nur wenige Zehntel zum Sieg fehlten. Den Titel holte sich Karin Bonsack. Dritte wurde ihre Trainingskameradin Nicole Genz

Bei den Herren ging es ähnlich knapp zu. Fabian Weber-Heck und Hannes Röseler (Dojo Ouchi Dresden) wurden von Andreas Hermann (Dojo Takeda Auerbach) und Marco Wäger (Dojo Edo München) auf den vierten und dritten Platz verwiesen.
Die beiden „alten Hasen“ machten den Titel unter sich aus und führten die Kata „Gojoshiho-Dai“ vor. Unterschiedlicher kann ein und dieselbe Kata wohl nicht gelaufen werden. Sachtes Timing und saubere Technik gepaart mit Kime und Kampfgeist. Beide zeigten ihr hohes technisches Niveau. So entschied zum Schluss wohl der persönliche Geschmack der Kampfrichter. Das Ergebnis mit nur einem Zehntel Unterschied spiegelte dies wieder. Trotzdem konnte sich Andreas Hermann nach zwei Jahren Wettkampfpause über den zweiten Platz freuen, während Marco Wäger zum dritten Mal in Folge den Deutschen Meistertitel im Katawettbewerb nach Hause nehmen konnte.

Zurück zum Kumite:

Spannende Halbfinalkämpfe der Damen und Herren hatten die Stimmung zum Kochen gebracht und die folgenden Begegnungen versprachen noch eine Steigerung. Bei den Damen standen sich Karin Bonsack und Dana Raczynski gegenüber. Hier konnte die Berlinerin einmal mehr von ihrer langjährigen Erfahrung profitieren und holte sich den dritten Platz.
Bei den Männern nahmen Georgios Maniotis (Dojo Yamato Düsseldorf) und Michael Surkau (Dojo Shimazu Greven) Aufstellung und fighteten von Beginn an um jeden Wazzari. Nach Verlängerung konnte Michael Surkau diesen Kampf für sich entscheiden.
Im Finale mussten insgesamt 6 Wazzaris erreicht werden damit man den Pool als Sieger verlassen konnte. Nicole Genz traf wie bereits im Vorjahr auf Stefanie Heimann (Dojo Kashiwa Großenhain) und konnte sich dieses Mal gegen die 25 Jahre Alte Kashiwakin durchsetzen.

Auch im Finale der Männer standen sich zwei alte Bekannte gegenüber. Die Begegnungen zwischen Fabian Weber-Heck und Marco Wäger versprechen seit geraumer Zeit hochklassige aber auch dramatische Kämpfe. Das Kumitefinale der diesjährigen DM, die in Greven durch das Dojo Shimazu ausgerichtet wurde, machte da keine Ausnahme.
Lange Zeit lag Marco Wäger in Führung, bevor Fabian Weber-Heck kurz vor dem Ablauf der Kampfzeit mit Jodan Mawashi Geri zum 3:3 ausgleichen konnte. Es ging folglich in die Verlängerung, in der Marco Wäger nach einiger Zeit leider verletzt aufgeben musste. Das Publikum bedachte nicht nur Fabian Weber-Heck, sondern auch Marco Wäger, auf seinem Weg zu den Sanitätern, mit langem tosendem Applaus für diesen- erneut- spannenden und emotionalen Finalkampf.

Das Publikum feuerte bis zuletzt und unermüdlich die letzten Starter des Tages an. Doch diese bekamen von der Atmosphäre selbst nicht viel mit, denn es ging auf die Entscheidungen der Königsdisziplinen zu. Das Finale der Kumitemannschaft wurde bei den Damen zwischen Dojo Mikasa und Dojo Kashiwa ausgetragen
Bei den Herren wurde der Titel zwischen dem Dojo Shimazu und Dojo Ouchi (Robert Kaiser, Fabian Weber-Heck, Hannes Röseler) ausgemacht. Zuvor hatte das Dojo Ouchi bereits den Titel der besten Kumitemannschaft bei den Nachwuchsmeisterschaften geholt.

Die Damen machten es spannend. Erst im dritten Kampf konnte Nicole Eltzsch ihre Erfahrung in Punkte ummünzen und sicherte ihren Mannschaftskollegen Sindy Telschow und Stefanie Heimman den Pokal.
Die Herren bevorzugten die kürzere Variante. Im ersten Kampf punkte Michael Surkau gegen Robert Kaiser. Im zweiten Kampf schloss Georgios Maniotis nahtlos an seine Leistungen der vorherigen Kämpfe an und besiegte Fabian Weber-Heck. Dadurch machte er den Titel für die Mannschaft des Grevener Dojos, die aus Michael Surkau, Georgis Maniotis und Patrick Kowalewski bestand, perfekt.

Am späten Vormittag und frühen Nachmittag waren über den ganzen Tag verteilt mehr als 120 Nachwuchskarateka an den Start gegangen, und hatten in 19 Kategorien den Titelträger des Deutschen Nachwuchsmeisters im Kumite und im Katawettbewerb ausgetragen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren waren bereits im Vorfeld Änderungen bei den Gruppeneinteilungen vorgenommen worden, so dass sich Gelb und Orangegurte gegen Violett und Braun behaupten mussten. Und das mit Erfolg. Nicht selten unterschätze ein höherer Kyugrad seinen vermeintlich einfachen Gegner und musste am Ende den Pool als Verlierer verlassen.

Bei den Jungen und Mädchen konnten die Dojo Selimiye und das recht junge Dojo Maeda viele Erfolge auf ihrer Seite verbuchen. In der Kategorie H1 gingen von sechs Plätzen immerhin 5 an das Dojo Takeda von Andreas Hermann.
Bei den Damen ergab sich ein eher gemischtes Bild, dem die beiden jungen Damen des Dojo Otomo (Julia Wehnert und Helene Gromuth) vor allem im Katawettbewerb einen guten Eindruck hinterlassen konnten.

Für die Versorgung der Kampfrichter, Kampfrichterhelfer, Kämpfer und Zuschauer war in Grevener Manier ebenfalls gesorgt. Neben vielen Kuchen und Schnittchen gab es warme Snacks. Überraschenderweise hatte sich auch Akio Taoka noch am Freitagabend bis tief in die Nacht vor den Herd gestellt und versorgte die Anwesenden mit einem japanischen Curryreisgericht.

Mit der offiziellen Siegerehrung endete gegen 19:00 Uhr die 30. Deutsche Meisterschaft, die im Großen und Ganzen gut vom ausrichtenden Dojo organisiert worden war. Bis früh am Sonntagmorgen diskutierte man in der Gaststätte Wermelt die vergangenen Stunden, die Kämpfe und die Entscheidungen. Mal mit einem einheitlichen oder auch unterschiedlichen Ergebnis. Aber in einem waren sich alle einig: Nächstes Jahr wird man sich in Dresden wieder sehen.

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© 2017 Michael Surkau