Internationales Gasshuku und 30 jähriges Jubiläum des S.K.I.D. in Simbach
Montag, den 01. August 2005 um 17:27 Uhr

Gründe für das diesjährige Zusammenkommen (Gassuru) gab es genug. Das 30 Jährige Jubiläum des S.K.I.D., das 25 Jährige bestehen des Dojo Lembukan Simbach und vier Tage Karate unter den Anweisungen eines (wie immer) hochkarätigen Trainerteams. Für die Unterkunft (Shuku) war ebenso ausreichend gesorgt, so dass mehr als 200 Karateka aus Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz und sogar Japan den Weg nach Simbach/Inn fanden, um dort am diesjährigen Sommergasshuku des S.K.I.D. teilzunehmen.
Für die Trainingsleitung hatte Nagai Shihan dieses Jahr wieder einmal Meister ihres Faches verpflichtet. Die Bezeichnung „Stammpersonal“ trifft mittlerweile auf Murakami Sensei und Wada Sensei zu, die auch in diesem Sommer den Weg nach Deutschland gefunden haben. Mit ihrer bekannten Art und Weise sorgten die Beiden im Training für Schweißperlen und abseits des Trainings für Lacher. Kikuchi Shihan war zum ersten Mal auf einem deutschen Gasshuku dabei, und steuerte seinen Teil beim gewissenhaften und gründlichem Kihon, Kata und Kumitetraining bei.
Selbst Petrus zeigte sich von seiner freundlichen Seite und sorgte für wolkenlosen Himmel, strahlenden Sonnenschein und hohen Temperaturen, die die meisten Teilnehmer in ihrer Freizeit zum Besuch der zahlreichen Bademöglichkeiten veranlasste.

Die erste Trainingseinheit am Tage übernahm immer Murakami Sensei und begann stets mit Choku Zuki. Später kamen Drehungen, Wendungen und andere Techniken hinzu, und bildeten jedes Mal aufeinander aufbauende Kombinationen. So wurden die Kombinationen von Minute zu Minute anstrengender und schneller.
Um auf spezielle Anforderungen der einzelnen Graduierungsstufen einzugehen, wurden drei Gruppen für Kumite- und Katatraining gebildet. Kikuchi Shihan nahm sich während des Gasshukus der Unterstufe an und übte mit ihr viele Grundtechniken, Kata sowie Kumite.

Viel Zeit investierte er dabei, um kleinste Details zu erklären, und verriet einige Kniffe, wie man durch kleinste Korrekturen an einer Technik ein besseres Gesamtbild erreichen kann. Vor allem im Katawettkampf können diese Kleinigkeiten die Entscheidung bringen.
Beim Kumite hingegen riet er dazu, dass „große Leute ihre Techniken groß machen müssen. Kleine Leute hingegen, müssen die Technik noch größer machen“. Die staunenden Karateka trauten ihren Ohren nicht, als Kikuchi fortfuhr und ihnen riet, beim Kumite "den Gegner zubereiten und mit Salz und Pfeffer zu würzen". Die passenden Rezepte mitsamt verschiedenen Variationen servierte Kikuchi Shihan, der in seiner aktiven Wettkampfkarriere zu den besten 8 Kumitewettkämpfern auf der Welt gehörte, den staunenden Karatesportlern natürlich mit.

Unterricht für Dojoleiter charakterisiert den diesjährigen Trainingsstil von Murakami Sensei. Das hieß natürlich nicht, dass die Schwarzgurte sich bei diesen Trainingseinheiten ausruhen konnten. Einzelne Passagen wurden anfangs trainiert, anschließend folgten ausgiebige Erklärungen und Beispiele. Am Ende mussten die Danträger die Abläufe üben bis Murakami Sensei zufrieden war.
Ein wichtiges Element war für den zweifachen Kumiteweltmeister der Rhythmus einer Kata. Wie schon in den vergangen Jahren erklärte er, dass es nicht nur auf das Tempo der einzelnen Techniken ankommt, sondern auf das richtige Timing der Spannung und Entspannung. „Dojoleiter“, so Murakami, „müssen eine Kata von Anfang bis zum Ende als Ganzes üben, und nicht die einzelnen Techniken. Das ist für Anfänger!“.
Zum Ende seiner Trainingseinheiten überraschte Murakami Sensei mit der Aufgabe, eine Kata innerhalb von 10 Minuten im Team zu üben. Das 600 Sekunden reichen können, stellten verschiedene Gruppen mit Kanku Sho und Nijûshiho unter Beweiß.

Dass man sich nicht auf einen fixen Punkt beim Freikampf konzentrieren sollte, war eine weitere Lektion, die Murakami Sensei den Karateka auf dem Sommergasshuku beibrachte. Dass dies Schwer sei, verneinte der ehemalige Kumiteweltmeister keineswegs, gab im gleichen Atemzug zahlreiche Tipps und setze dieses bei einigen Partnerübungen direkt in die Tat um.
Shihan Nagai setzte auf das Gummiball-Prinzip. Bei zahlreichen Partnerübungen forderte er die Braun- und Schwarzgurte, die aus der Rückwärtsbewegung ohne Verzögerung in die Vorwärtsbewegung übergehen sollten. Je schneller der Angriff kam, desto schneller musste man zurück, um im gleichen Moment einen schnelleren Gegenangriff zu starten. Einzelne Freikämpfe rundeten diese Einheiten ab.

Nach den kräfteraubenden Trainingseinheiten boten sich mehrere Möglichkeiten den Abend zu gestalten. Neben dem Besuch von Badeseen, in denen oftmals vergeblich Abkühlung gesucht wurde, konnte man im Umfeld der Halle bequem grillen oder sich den Senseis anschließen, die verschiedene Gaststätten und Biergärten besuchten. Für das leibliche Wohl war in jedem Fall gesorgt. Beim bayrischen Abend gab es beispielsweise landestypische Spezialitäten und entsprechendes Bier.
Den Weg zum Schellenberghaus wird wohl keiner so schnell vergessen. Da das Ausflugslokal nicht mit dem Auto zu erreichen war, musste man einen langen und steilen Waldweg erklimmen. Am Ende wurde man mit einem kühlen Bier, gutem Essen und einem malerischen Ausblick über das Inntal belohnt. Zu diesem Zeitpunkt dachte niemand an den Rückweg, der erst gegen Mitternacht erfolgen sollte. Im stockdunklen Simbacher Forst konnten nur die Sterne und zwei kleine Taschenlampen den Weg zurück zu den Autos weisen. Pech das die einheimischen Mücken ihre Opfer trotz des fehlenden Lichtes fanden.

Am Samstagabend legten insgesamt 24 Karateka Danprüfung ab. Nach den Shodan und Nidanprüfungen, folgten eine Sandan und eine Yondanprüfung. Nachdem Tilo Wolf (Sakura Pirna) und Helge Weiselowski (Kasan) ihr Können vor dem Prüfungskomitee gezeigt hatten, standen zwei weitere Danprüfungen auf dem Programm: Antonio Ceferino Sensei (Tesshu Oberkochen) und Uwe Borsody Sensei (Taira Wetzgau) legten die Prüfung zum Godan bzw. Rokudan ab.
Alle Prüflinge bestanden die Prüfung und wurden an die Vorbildsfunktion des schwarzen Gurtes, der sie nun Rechenschaft leisten müssen, erinnert. Unter Beifall wurden die einzelnen Prüflinge anschließend aufgerufen, damit sie aus den Händen des Bundestrainers ihren Prüfungsausweis empfangen konnten.Die Geräuschkulisse steigerte sich beträchtlich als zunächst Toni Sensei und anschließend Uwe Sensei zur bestandenen Prüfung gratuliert wurden. Nachdem auch die letzten Glückwünsche für die bestandenen Prüfungen ausgerichtet waren, trafen sich alle Lehrgangsteilnehmer zur Abschlussfeier.

Eine Menge aus blauen T-Shirts, die extra für das dreißigste Jubiläum designed wurden, bildeten einen engen wabernden Kreis, als das Fest zum Abschluss des Gasshuku, zum 30 Jährigen Jubiläum des S.K.I.D. und zum 25 Jährigen Bestehen des Dojo Lembukan seinen Höhepunkt erreichte. Wada Sensei gab einen Karaterap zum Besten, Murakami sang das Lied über die Männer, die Sake trinken müssen. Selbst Kikuchi Sensei und Nagai Shihan stellten ihr musikalisches Talent unter der rhythmischen Begleitung von Jürgen Bichler und dem Applaus der Anwesenden unter Beweis. Unvergessen die Roboter-Kata von Toni Sensei, die für viele ein Novum darstellten, aber für viele auch Erinnerungen an alte Zeiten aufkommen ließ. Zwischendurch gab es immer wieder Livemusik und einige Redner, die auf ihre Weise dem Sensei für die vielen Jahre, die sie unter ihm trainiert haben, dankten. Bis spät in die Nacht unterhielt man sich bei Freibier und dem einen oder anderen Regentropfen, fütterte den Nachwuchs mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen, oder staunte Bauklötze als eine zehn Jahre alte Vorführung auf einem Laptop gezeigt wurde.

Trotz der kurzen Nacht fanden alle Karateka am Sonntagmorgen den Weg in die Trainingshalle und beendeten mit verschiedenen Kombinationen von Eugen Landgraf Sensei, Uwe Borsody Sensei und Murakami Sensei das Gasshuku.
Zum Abschluss dankte Alex Schifferer den vier japanischen Großmeistern, seinem Organisationskomitee und den Teilnehmern. Nur diese drei Gruppen können ein Gasshuku zu dem machen was es ist: Einer Zeit, an der viele Leute zusammenkommen und einige Tage Zeit beim Training und beim Entspannen miteinander verbringen.

Am Freitag fand die diesjährige Dojoleiterversammlung statt. Neben der Lehrgangsvergabe stand in diesem Jahr die Wahl des Vorstandes an. Eugen Landgraf ließ als Geschäftsführer die positiven und negativen Ereignisse der letzten Jahren Revue passieren und erteilte im Anschluss das Wort an den Kassenwart Alexander Schifferer, der von der ordnungsgemäßen Kassenprüfung berichtete. Die Kassenprüfer hatten an der vorbildlich geführten Kasse keine Beanstandungen auszusetzen.
Nachdem der alte Vorstand entlastet wurde, konnten die Neuwahlen durchgeführt werden. Eugen Landgraf, Alexander Schifferer und Reinhard Nawe wurden in ihrem Amt einstimmig wiedergewählt. Als Pressewarte wurden Akio Taoka und Michael Surkau gewählt. Die Beiden treten damit die Nachfolge von Antonio Ceferino an, der das Amt aus beruflichen Gründen nicht weiterführen konnte. Als Schriftführer wurde Gerolf Thamm gewählt.

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© 2017 Michael Surkau