3 x Bronze für Deutschland
Sonntag, den 10. Oktober 2004 um 17:02 Uhr

Nicole Genz, Tina Mühlich (Kumite) und Marco Wäger (Kata) sorgten bei der 10 Europameisterschaft des S.K.I.E.F. für ein gutes Abschneiden des deutschen Verbandes. Überschattet wurden die guten Leistungen durch eine schwere Verletzung von Joshin Kamuro, der sich beim Kumite eine Fraktur im Gesichtsbereich zuzog. Durch die gute Erstversorgung des mitgereisten Arztes Dr. Mark Frank konnte der Zustand stabilisiert werden, so dass ein Transfer nach Deutschland erfolgen konnte und er sich nun auf dem Weg der Besserung befindet.

Aus deutscher Sicht fuhren zu diesem bedeutenden internationalen Turnier mit circa 500 Teilnehmern aus 15 Nationen insgesamt 13 Starter, 2 Schiedsrichter und 2 Betreuer.

  • Marco Wäger
  • Dan Jenke
  • Nicole Genz
  • Tina Mühlich
  • Michael Pretsch
  • Nicole Eltsch
  • Fabian Weber-Heck
  • Michael Surkau
  • Lars Bartschat
  • Patrick Kowalewski
  • Joshin Kamuro
  • Alexander Kreiser
  • Sven Halbritter

Als Schiedsrichter fungierten Sensei Eugen Landgraf und Sensei Lothar Müller.

Starke Kata-Vorführungen der Deutschen

Die zweitägige Meisterschaft wurde am Freitagnachmittag feierlich von Kanazwa Shihan und den ukrainischen Verbandsfunktionären eröffnet. Zuvor fanden bereits die Vorrunden der Katawettbewerbe statt.

Bei den Damen schieden Nicole Genz und Tina Mühlich schon in den Vorrunden aus. Einzig Nicole Eltzsch schaffte den Einzug ins Finale. Die Präsentation ihrer Tokui Chinte konnte die Kampfrichter jedoch nicht vollends überzeugen, so dass sie nicht einen Platz unter den ersten drei erreichen konnte.

Bei den Herren standen zuletzt mit Marco Wäger, Dan Jenke und Michael Pretsch 3 Deutsche im Halbfinale. Zuvor waren trotz guter Leistungen Sven Halbritter, Lars Bartschat, Fabian Weber-Heck und Patrick Kowalewski ausgeschieden. Den Einzug ins Finale verpasste Michael Pretsch knapp, Dan Jenke setze sich im Stechen durch.

Im Finale behielten die beiden Berliner die Nerven und zeigten eindrucksvolle Katas. Dan Jenke wurde 6.
Nur die Starter aus Italien und Österreich konnten die Darbietung von Marco Wäger toppen, der lange Zeit das Feld anführte. Mit nur einem Zehntel Abstand auf Platz 2 konnte er die erste Medaille für das deutsche Team erkämpfen.

 

Samstag = Kumite

Der Samstag stand ganz im Zeichen der Kumitewettkämpfe, die vor allem von vielen Startern und Kampfrichtern aus den osteuropäischen Ländern dominiert wurden. Wie bereits im letzten Jahr in Porto wurde nach dem Ippon Han Shobu System gekämpft. Um einen Kampf für sich entscheiden zu können waren drei Wazari nötig.

Wie schon vor einigen Jahren wurde in verschiedenen Gewichtsklassen gekämpft. Nicole Genz kämpfte in der Klasse über 65 Kilo und konnte sich von Anfang an stark präsentieren. In einem spannenden und langen Halbfinalkampf verlor Nicole, erreichte auf ihrem ersten internationalen Auftritt einen hervorragenden dritten Platz.


Tina Mühlich kämpfte sich in der Klasse bis 65 Kilo souverän bis ins Halbfinale vor. Nach einen ebenso spannenden Kampf, der durch mehrere unfaire Treffer der Gegnerin öfters unterbrochen werden musste, verlor Tina knapp, konnte aber trotzdem den dritten Platz und damit die dritte Medaille für das deutsche Team sichern.

Im Wettbewerb der Kumitemannschaft unterlagen die drei Frauen bereits in der Vorrunde ihren Gegnern.

Starke Gegner für die Herren

Als einziger Deutscher startete Dan Jenke im Leichtgewicht. Wie schon auf der DM brillierte der Berliner durch seine schnellen und reflexartigen Techniken, so dass er problemlos in die nächste Runde einzog. Hier schied der 19 Jährige Berliner knapp geschlagen aus. Aufgrund der gezeigten

Leistung wurde er als Starter für die Kumitemannschaft nominiert.

Im Mittelgewicht schied Lars Bartschat durch Disqualifikation im ersten Kampf aus. Patrick Kowalewski überstand die erste Runde und musste sich erst in der folgenden Runde nach mehreren Mawashi-Geris geschlagen geben.
Kamuro zeigte eine spektakuläre Leistung. Seinen Erstrundenkampf gewann er ohne Probleme durch schnelle und saubere Techniken.
In der zweiten Runde traf er auf einen russischen Wettkämpfer. Joshin Kamuro lag bereits mit zwei Punkten in Führung als sein Gegner aus kurzer Distanz Jodan Oi-Zuki ohne zu stoppen durchzog.
Kamuro war sofort Kampfunfähig. Noch in der Halle wurde durch Dr. Mark Frank und Tina Mühlich eine Erstversorgung durchgeführt, bevor man sich mit einer Dolmetscherin auf den Weg in diverse Krankenhäuser machte. Ohne die kompetente Hilfe von Dr. Frank wäre diese Verletzung wahrscheinlich unterschätzt und erst in Deutschland entdeckt worden.

Im Schwergewicht starteten Marco Wäger, Fabian Weber-Heck, Alexander Kreiser und Michael Surkau. Marco Wäger, Michael Surkau und Alexander Kreiser überstanden die ersten Runden nicht, da sie ihren Kampf verloren oder disqualifiziert worden.
Alleine Fabian Weber-Heck, der schon in der Vorwoche auf der DM und am Vortag beim Katawettbewerb eine gute Leistung gezeigt hatte, konnte seine Form steigern und gewann seine ersten Kämpfe ohne Probleme. Im Viertelfinale traf er auf den späteren Vizeeuropameister. Das Duell der beiden war bis zum letzten Moment spannend, dafür sorgten die beiden Konkurrenten und die Schiedsrichter. Am Ende verlor Fabian denkbar knapp.

Als letzten Wettkampf des Tages wurden die Titelkämpfe der Kumite-Teams ausgetragen. Die deutsche Mannschaft musste nach dem Aus von Kamuro kurz umdisponiert werden. Fabian Weber-Heck, Michael Surkau, Alexander Kreiser, Dan Jenke und Marco Wäger hatten Losglück und waren in einer Gruppe mit Österreich, Italien, Aserbaijan und Groß Britannien, gegen die die Deutsche Mannschaft als erstes antreten musste.
Aufgrund der vorangegangenen Ereignisse konnten die Deutschen jedoch nicht mehr ihr volles Potential entfalten und verloren die einzelnen Kämpfe knapp. Nur Dan Jenke konnte eine totale Niederlage verhindern und holte den einzigen Sieg der Deutschen. Am Ende trennte sich Deutschland mit 1:4 von England, dem späteren Vize-Europameister.

n den von Osteuropäischen Startern und Kampfrichtern dominierten Titelkämpfen konnte sich das 13 köpfigen Nationalteam behaupten und stellte keine einfache Aufgabe für ihre Gegner dar. Die deutschen Starter präsentierten sich als starkes Team, das zu jeder Zeit zusammenhielt und sich gegenseitig motivieren konnte.
Shihan Nagai und Eugen Landgraf waren zufrieden und sahen ein junges Team mit Potential für die Zukunft.
Bevor es 2006 zur Weltmeisterschaft nach Japan gehen wird, findet im nächsten Jahr ein Länderkampf in der Schweiz statt.

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© 2017 Michael Surkau