Sommergasshuku 2004 in Auerbach
Dienstag, den 20. Juli 2004 um 16:59 Uhr

Einige Teilnehmer des LehrgangsWie im letzten Jahr trafen sich die Karatekas des Shotokan Karate International Deutschland im Waldpark Grünheide bei Auerbach, um ihr traditionelles Sommergasshuku abzuhalten, das, um es vorwegzunehmen, durch Dojoleiter Andreas Hermann und sein Team perfekt organisiert war.
Zunächst standen den Teilnehmern leichte Wettersorgen in die Gesichter geschrieben, da es den ersten Trainingstag doch ziemlich verregnete. Doch ab Freitag besserte sich das Wetter und zeigte sich am Wochenende von der allerbesten Seite, mit Sonnenschein und Temperaturen, die zur dreißig Grad Grenze strebten.

 

Am Donnerstag begrüßte Nagai Shihan die aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmer und stellte zunächst die höchst klassigen Gasttrainer vor. Manabu Murakami Sensei, 6. Dan und zweifacher Kumiteweltmeister ist schon seit Jahren zum Sommerlehrgang in Deutschland und auch Wada Shihan, 7. Dan konnte vorletztes Jahr schon begrüßt werden. Seine Deutschlandpremiere feierte Katsunori Tsuyama Shihan, 10. Dan und Professor an der Takushoku Universität (www.takushoku-u.ac.jp/English).

Tsuyama Shihan hinterließ bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck, der nicht nur seiner unglaublichen Fitness im Alter von achtundsechzig Jahren zugeschrieben werden kann, sondern vor allem seiner Ausstrahlung und dem vom ihm geleiteten Training. Er erklärte, dass jeder Schwarzgurt immer wie ein Weißgurt trainieren muss und setzte diese Philosophie gleich in die Tat um.
Einen großen Schwerpunkt setzte er auf das Kihontraining, bei dem er die Karatekas simpel aussehende Übungen durchführen ließ, die es aber in sich hatten und für schwere Arme und Beine sorgten. Shihan Tsuyama verdeutlichte, übersetzt von Akio Taoka und Yoshin Kamuro, auch kleinste Unterschiede bei der Ausführung der einzelnen Techniken, so dass jeder Karateka etwas Neues lernte, zum Beispiel Oi-Zuki Bunkai, die Anwendung des geraden Fauststoßes, bei der Arme und Beine mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten arbeiteten, die Unterschiede aber schließlich im Bereich von Sekundenbruchteilen lagen.
Insgesamt folgte Professor Tsuyamas Training dem Motto "back to Basic", blieb allerdings jederzeit für alle Teilnehmer höchst herausfordernd. Jede Technik wurde en Detail geübt und in mehrere Zwischenschritte eingeteilt, so dass man sich zunächst auf bestimmte Schwerpunkte wie Schnelligkeit oder die Haltung der Schulter konzentrieren musste, bevor alle Übungen ineinander verschmolzen und trainiert wurden.

Am Samstagmorgen stand wieder eine Premiere an, es ging, nach einer kurzen Autofahrt, zum Hangtraining ins Freie. An einer Skiliftanlage stellte Shihan Nagai seine Schüler vor eine Herausforderung, die sie sowohl körperlich wie auch geistig äußerst stark beanspruchte, denn um den Hang zu erklimmen, musste man schon einiges an Kraft investieren und sich selbst überwinden. Zum Teil entwickelten sich dabei Wettläufe zwischen einzelnen Karatekas, die diesen alles abforderten. War man nach einer Bahn endlich oben angekommen, gab es dort zunächst keine Pause, sondern Zuki-Training mit Murakami Sensei, an das sich ein Fototermin anschloss, dem wiederum mehrere Auf- und Abstiege auf dem Hang folgten.
Da das Wetter sich nicht lumpen ließ und die Sportler mit Sonnenschein und blauem Himmel verwöhnte und die Senseis bester Laune waren, führte dies zu einem unvergesslichen Trainingserlebnis.

Nach den Dan-Prüfungen am Samstagabend ging es wie im Vorjahr ins Festzelt, um ausgiebig zu feiern. Wer gedacht hatte, dass die Vorjahres-Party kaum noch zu toppen war, sah sich auch hier wieder getäuscht, denn dank Karaoke und äußerst tanzbarer Musik erreichte die Stimmung neue Höchstwerte.

Sonntag waren dann auch alle Karatekas ein wenig traurig, als am Mittag das letzte Training unter der Leitung von Tsuyama Shihan zu Ende war. Nachdem in den vergangenen Tagen das Training unter Tsuyama Shihan immer konzentriert geübt wurde, konnte die lebende Karatelegende deutliche Fortschritte bei jedem Einzelnen erkennen, mahnte aber dazu die Grundschule niemals zu vernachlässigen, da nur so Verbesserungen zu erreichen sind.

Andreas Hermann, Dojoleiter Takeda Auerbach, bedankte sich bei allen Teilnehmern und vor allem den gut aufgelegten Senseis. Er nutzte die Gelegenheit, seinem Team für die geleistete Arbeit zu danken und übergab das Wort an Eugen Landgraf Sensei, der sich im Namen des Verbandes an die Sportler richtete und sie alle im nächsten Jahr zum Sommergasshuku 2005 nach Simbach einlud, aber eine Rückkehr nach Auerbach in Aussicht stellte.

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© 2017 Michael Surkau